Clann Morgainn - Knoten Dreieck
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Aktualisiert: 30.01.2017
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Clann Morgainn - KnotenbandTruhenClann Morgainn - Knotenband
Wikingertruhe

Wikingertruhe

Einleitung
Die wohl bekanntesten und auch am weit verbreitetsten, bzw. vor allem sehr einfach zu bauenden Truhe ist die "Wikingertruhe" oder "Ruderkiste", wobei hierbei die Größen und Ausführungen sehr unterschiedlich sind und somit wirklich auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt werden können. Diese Kisten findet man quer durch alle Jahrhunderte, und wie der Name schon sagt bereits zur Zeit der großen nordeuropäischen Seefahrer.
Wir haben hier versucht eine relativ einfache Anleitung mit zahlreichen Fotos und Skizze zu erstellen, welche die Herstellung einer Variante einer solchen Truhe veranschaulichen soll.
Vorab sollte hierbei erwähnt werden, dass der Verzicht von historisch korrektem Werkzeug einfach einen nicht zu verleugnenden praktischen Hintergrund hat, also bitten wir alle Experimentalarchäologen uns diese Vorgehensweise zu verzeihen. Ansonsten ist aber keine große Vorkenntnis erforderlich, außer vielleicht ein gewisses handwerkliches Grundgeschick, da auch mit Elektrowerkzeugen gearbeitet wird, welche durchaus - bei falscher Handhabe - ein gewisses Verletzungspotential haben. Aber keine Angst - verletzten kann man sich auch beim Nasebohren!
Werkzeug und Materialien
Zu den Materialien und Werkszeugen ist zu sagen, dass man eigentlich alles in einschlägigen Baumärkten zu ganz vernünftigen Preisen bekommen kann. Leder und Nägel sowie diverse Pigmentfarben oder ähnliches Material zur Dekoration und Verschluss der Truhen findet ihr in den diversen Online-Shops.

Verbrauchsmittel
Alle Maßangaben in [mm]

Zusatzmaterialien je nach Kreativität und Geschmack

In diesem speziellen Fall für den Verschluss mit Leder und Hornende.

Werkzeug

Schritt 1 - Vorbereitung
Zuallererst muss man sich die einzelnen Bauteile natürlich auf den Brettern mit dem Bleistift aufzeichnen. Dazu haben wir hier einmal die einzelnen Bauteile dargestellt.
Zum allgemeine Verständnis hier auch gleich die entsprechende Skizze. Zur Verdeutlichung geben wir hierbei auch noch die Maße für eine Truhe mit einer Gesamtlänge von 650mm und einer Gesamtbreite von 312,5 mm an.

Wikingertruhe - Skizze
Größere Darstellung der Skizze

Schritt 2 - Der Deckel
Außenmaße L / B

Der Deckel ist einfach nur rechteckig und wird auf die entsprechende Maße L/B (520mm/300mm) geschnitten.

Wikingertruhe - Deckel

Schritt 3 - Der Boden
Außenmaße Lx1,2 / Bx1,22-Sx2

Der Boden gestaltet sich aufgrund der späteren Verzinkung mit den Stirnseiten schon etwas aufwändiger.
Die Maße des Bodens sind L x 1,2 / B x 1,22 - Brettstärke x 2 (624mm/330mm). Die Verzinkung sollte ja nach Truhenbreite so gewählt werden das sich ein gleichmäßiges Verhältnis ergibt, das dann später auch entsprechend in die Stirnseiten eingebracht werden kann. Die Zinkentiefe sollte hier ein paar Millimeter tiefer gewählt werden, als die Materialstärke der Bretter, also in diesem Fall 20mm und die Zinkenbreite beträgt hier etwa 50mm.

Wikingertruhe - Boden

Schritt 4 - Die Seiten
Außenmaße Bx1,25 / 440mm, 2 Stück

Die Seiten sind sicherlich die aufwändigsten Einzelteile der Truhe. Hierbei kommt auch die Bohrmaschine mit dem großen (12mm) Bohrer zum Einsatz, um die Löcher für die Verzinkung ausschneiden zu können.

Als erstes zeichnet man sich auch hier die Grundform auf, die oben die Breite des Deckels B (300mm) und unten die Truhenbreite Bx1,25 (375mm) hat. Hierfür ist es am einfachsten die Mitte zu bestimmen und von hier aus die jeweiligen Breiten zu messen. Danach einfach links und rechts die Endpunkte der Linien schräg verbinden.
Als nächstes zeichnet man sich die Ausklinkungen für die langen Seiten ein. Dazu zieht man parallel zu den beiden schrägen Außenkonturen der Stirnseite links und rechts eine Linie mit dem Abstand der Brettstärke (18mm) Richtung Brettmitte. Dann zeichnet man sich bei ca. halber Seitenhöhe (190mm) von der Oberkante der Stirnseite eine rechtwinkelige Linie zwischen den beiden Parallelen. Diesen Absatz benötigt man später zum Verschränken der Truhenwände.
Der untere Ausschnitt, der der Stirnseite die Form eines "A" gibt, ist mehr oder weniger eine rein optische Angelegenheit, und dient nur zum einfacheren Tragen von gestapelten Truhen. Wenn man ihn machen möchte sollte er ca. 1/3 der Gesamtbreite betragen und ca. 50mm hoch sein.

Der Boden beginnt bei einer Höhe von 70mm. Auf dieser Höhe werden nun auch die Löcher für die Verzinkungen mit dem Boden angebracht. Die Breite der Löcher und auch die Teilung muss der der Zinken des Bodens entsprechen, die Höhe der Brettstärke. Man sollte hierbei von der Mitte aus messen, da man dadurch leichter eine Symmetrie erhält. Was das Ausschneiden der Löcher betrifft, so sollte man die Löcher zuerst ruhig etwas kleiner ausschneiden und sie dann später zusammen mit dem Boden beim Zusammenfügen mit der Raspel und der Feile entsprechend einpassen. Um mit der Stichsäge die Löcher aussägen zu können, muss man allerdings im Vorfeld mit dem oben erwähnten 12mm Bohrer pro Zinkenloch jeweils in zwei Ecken ein Loch bohren um von dort ausgehend dann die rechteckigen Löcher fertig sägen zu können.

Wikingertruhe - Seiten

Schritt 5 - Front und Rücken
Außenmaße Lx1,25 / 385mm, 2 Stück

Front und Rücken der Truhe sind relativ einfache Trapeze mit seitlichen Ausklinkungen für das spätere Zusammenfügen mit den Seiten.

Man zeichnet sich zunächst die Länge der Truhe am unteren Ende, also Lx1,25 (650mm) an. Von dieser Breite ausgehend wird oben und unten die Mitte bestimmt. Am oberen Ende kann ausgehend von der Mitte die obere Länge L (520mm) angezeichnet werden.
Die Seitenkanten werden nun mit einer Länge von 440mm ausgehend vom Ende der eingezeichneten oberen Breite bis zu einer gedachten Verlängerung der Außenkanten des Brettes (bzw. eingezeichnete Länge der Truhe Lx1,25) eingetragen.
Die untere Kante wird als Parallele zur oberen Kante in einem Abstand von 385mm eingezeichnet.
Bei den Ausklinkungen geht man zuerst genauso vor wie bei den Seitenteilen. Man zieht die Parallelen mit dem Abstand der Materialstärke (18mm) und misst dann die 190mm von der Oberkante ab. Allerdings schneidet man hier den unteren Teil weg.

Wikingertruhe - Front und Rücken

Schritt 6 - Zusammenbau
Sind nun alle Teile soweit zugeschnitten kann man nach dem Einpassen der Verzinkungen zwischen Boden und Stirnseiten und dem Entgraten aller Sägekanten mit dem Schleifpapier an den Zusammenbau der Truhe gehen. Hierbei sollte man als erstes den Boden und die beiden Stirnseiten zusammenstecken.
Als nächstes einmal die beiden langen Seiten lose ansetzten, um zu sehen, ob man evtl. noch etwas nachfeilen muss, um keine großen Spalten zu bekommen. Kleine Spalten von 1-2mm sind in der Regel normal, da es sich um Handarbeit mit sehr einfachen Werkzeugen und Holz handelt. Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, kann man die Teile miteinander vernageln. Hierbei sollte man aber zuvor die Nagellöcher mit dem kleinen Bohrer vorbohren, damit das Holz nicht springt und die Truhe nicht unbrauchbar oder gar zerstört wird. Wir haben pro Ecke der Truhe jeweils drei Nägel oben und drei Nägel unten verwendet.

Für die Griffe bohrt man einfach in die Stirnseiten jeweils zwei Löcher mit dem 12mm Bohrer und zieht die Enden des Seils durch und verknotet sie an der Innenseite.

Wikingertruhe - Boden

Fertig
Die Truhe ist im Grunde soweit fertig, und kann nun je nach Lust und Kreativität verziert werden, bzw. auch der Verschluss je nach Geschmack angebracht werden. Für den Verschluss mit Leder und Horn benötigt man zwei kurze Streifen mit ca. 150x50mm als Scharniere, eine "Zunge" mit ca. 250x50mm und eine Schlaufe mit ca. 200x25mm. Die Schlaufe muss dann so an der Vorderseite der Truhe befestigt werden, dass das Hornende als Riegel durch die Schlaufe gesteckt werden kann.
Ein weiterer möglicher Verschluss wären Scharniere und Beschläge aus Metall.

Als letzte Schritte kommt die Verzierung der Truhe mit zum Beispiel Schnitzereien oder gemalten Motiven, wobei hier der Fantasie nur durch die dargestellte Zeit oder Thematik Grenzen auferlegt sind.

Ist das alles beendet, kann zu guter letzt die Truhe mit dem Wachs vor Feuchtigkeit geschützt werden. Falls man die Dinge im Inneren der Truhe noch besser schützen möchte, kann man die Spalten und Ritzen zwischen den Teilen innen noch mit einer Leimspur versehen um sie zu verschließen und die Kiste gegebenenfalls mit Leinen ausschlagen.

Wikingertruhe - Schnitzerei

Wikingertruhe - Bemalung

Wikingertruhe - Gebrannt

Wikingertruhe - Bemalung

Wikingertruhe - Bemalung

Wikingertruhe - Bemalung

Viel Spaß und gutes Gelingen beim Nachbauen!

www.clann-morgainn.de